Kurz vor der Atlantiküberquerung. Was ist alles passiert?

Am 6. Oktober kamen wir in Lissabon an. Es stand bereits fest, dass wir bis Ende des Monats bleiben werden. Aufgrund der Orca-Situation hatten wir frühzeitig entschieden die Algarve auszulassen und uns mit Freunden in Lissabon verabredet. Hier verbrachten wir einen tollen und warmen Monat. Die Menschen an unserem Steg waren sehr nett und kommunikativ. Wir haben Segler aus Amerika, Portugal, Brasilien und Holland kennengelernt und hatten eine schöne Zeit. Aber natürlich zog es uns auch die ganze Zeit weiter und wir konnten es nicht abwarten wieder abzulegen. Unser nächstes Ziel sollte Porto Santo bei Madeira sein, dafür planten wir fünf Tage auf dem Meer ein. Wieder eine kleine Herausforderung für uns. 

Von Lissabon nach Porto Santo

Am 6. November war es dann soweit. Wir sind mit einer Flotte von fünf Booten früh morgens aufgebrochen und schon bald sollte es wieder aufregend werden. Wir waren noch nicht weit vom Festland entfernt und in der WhatsApp Gruppe hieß es plötzlich wieder „Orca-Alarm“. André und ich schauten uns wortlos an und überlegten beide was wir jetzt machen. Umdrehen? Wir entschieden uns weiter zu segeln und hatten Glück. Wir sind keinen Orcas begegnet und auch keins der anderen Boote wurde angegriffen. An diesem Tag schienen die Orcas interessiert, jedoch nicht angriffslustig zu sein. Das Meer war wirklich wild. Das wussten wir aber. Die Vorhersage war, dass wir mit viel Wind starten und dieser dann stetig abnehmen würde. Es sollte jedoch anders kommen. Bereits die erste Nacht war nicht angenehm. Das Boot schaukelte ordentlich – es war schwierig sich zu bewegen oder Essen zuzubereiten. Auch den GESAMTEN nächsten Tag hatten wir 20-25 Knoten Wind und drei bis vier Meter hohe Wellen. Das war neu für uns, jedoch auch ein guter Test für Boot und Crew. Die ersten Probleme traten in der Flotte auf. Bei einem Boot war der Autopilot kaputt gegangen und es musste umdrehen. Später hatte ein anderer Segler starke Probleme mit seinem Rigg. Er war nun gezwungen weiter unter Motor zu fahren, da er sonst vielleicht seinen Mast verloren hätte. 

Währenddessen kämpften wir uns selber durch die Wellen. Wir hofften auf weniger Wind und haben die großen Wellen zum Teil selber ausgesteuert. Es kam zu einer Kreuzsee, das heißt die Wellen kamen aus zwei Richtungen. Es war sehr anstrengend für uns. Unsere Manatee lief jedoch ohne Probleme und das war ein sehr gutes Gefühl. Wir hatten Vertrauen in unser Boot. Und dann lies in der Nacht des zweiten Tages endlich der Wind nach, wir konnten das Großsegel runternehmen und sind erstmal nur mit Vorsegel gesegelt. Wir brauchten einfach eine Pause und mussten Schlaf nachholen. Und ab dann wurde es tatsächlich nach und nach entspannter. Schwell war zwar die ganze Zeit da, aber wir wurden nicht länger von den Wellen umher gedrückt. Nach ziemlich genau fünf Tagen hatten wir Land in Sicht: Porto Santo! Jedoch, wie sollte es anders sein, wurde es nochmal aufregend. Der Wind ist ein paar Meilen vor Ankunft komplett gestorben und wir mussten den Rest mit dem Motor fahren. Dieser hatte jedoch ein Problem. Durch einen verstopften Dieselfilter hat sich das System immer wieder Luft gezogen. Dadurch mussten wir den Motor so oft entlüften, dass das Gewinde der Entlüftungsschraube kaputt ging. André hat auf dem Atlantik das Loch der Entlüftungsschraube aufgebohrt und ein neues Gewinde geschnitten. So konnte das Leitungssystem mit einer größeren Schraube wieder abgedichtet werden. Wir erreichten nachts unser Ziel und waren sehr sehr müde.

Der Feenwald auf Madeira

Nachdem wir uns ein paar Tage auf Porto Santo ausruhten, ging es fünf Stunden rüber nach Madeira. In Madeira haben wir uns sofort verliebt. Eine so unglaubliche Vielfalt von Landschaften und Pflanzen hatten wir vorher noch nicht erlebt. Unser Hafen lag im Osten der Insel und war integriert in ein großes Ressort. Dieses sah aus wie eine kleine Stadt, war jedoch aufgrund der Pandemie insolvent gegangen und verlassen. Hier war nur noch der Hafen in Betrieb. Wir haben sehr viele Wanderungen entlang von den Levadas gemacht. Das sind künstliche Wasserläufe, die das Wasser aus dem niederschlagsreicheren Norden in den Süden transportieren. Diese laufen sogar mitten durch Berge durch. Super interessant. Hier hätten wir auch länger bleiben können, aber wir mussten eines der wenigen guten Wetterfenster nutzen, um voranzukommen. Unser Ziel sollte nun Las Palmas auf Gran Canaria sein. 

Am 30. November legten wir trotz Flaute ab. Unser Motor brachte uns problemlos durch die erste Nacht. Am Tag darauf nutzen wir den ersten leichten Wind um zu segeln. Darauf folgten zunächst wunderbare Stunden von Stille. Das Meer war ruhig, friedlich und das Boot stabil im Wasser. Abends frischte der Wind jedoch etwas mehr als vorhergesagt auf und wir befanden uns auf einmal in Windgeschwindigkeiten von 25-30 Knoten. Diesmal hatten wir das Boot deutlich besser im Griff. Wir haben frühzeitig gerefft und konnten auch ohne Probleme unsere Sturmfock ausprobieren. So waren wir diesmal deutlich entspannter und fanden in der Nacht genug Schlaf. Nach drei Tagen kamen wir auf Las Palmas an. Wir hatten sehr viel Vertrauen in unser Boot dazu gewonnen. Der Hafen in Gran Canaria soll für uns auch der Ausgangspunkt für den Start der Atlantiküberquerung sein. Hier haben wir bereits unser Boot für diese lange Reise vorbereitet. Boot und Crew sind bereit, nur das passende Wetterfenster fehlt noch. Unser Plan ist von Gran Canaria direkt nach Martinique zu segeln (wir schätzen mit 25 Tagen auf dem Meer). Eventuell machen wir einen Zwischenstopp auf den Kap Verden. Wir sind ausgestattet mit einem Satellitentelefon. Damit stehen wir nicht nur in ständigen Kontakt zu Freunden und Familie, sondern auch mit einem Wetterrouter. Diesem senden wir immer unsere genaue Position, sodass er Wind und Welle für uns im Auge behält. 

Letzte Erneuerungen vor der Atlantiküberquerung

2 Kommentare

  1. Hallo Hannnah, Hallo André,
    schön ,dass ihr es reibungslos geschafft habt.
    Ich schreibe euch, weil ich einerseits einige eurer sehr schönen Videos sah und abonnierte, als ich noch in Deutschland war und weil wir andererseits quasi zeitgleich nebeneinander her über den Atlantik gesegelt sind. Vor den Capverden sah ich euch am 1.1. noch auf dem AIS, aber wir waren offenbar etwas schneller nach 18 Tagen schon in Martinique, Le Marin wo auch ihr gerade vor Anker liegt. Wir liegen in der Marina.
    Ich fliege morgen nach Hause (Hamburg) wünsche euch aber noch eine ganz tolle weitere Tour. Ich seh mir auf YouTube an, wie es läuft.
    Viele Grüße Ulf (völlig unbekannterweise)

    • Hallo Ulf, ach wie lustig! Ja wir waren tatsächlich nicht sooo schnell. Wobei wir auch nur mit 2-3 Tagen weniger gerechnet haben. Flauten und Squalls haben uns gebremst. Schade, dass du nicht länger bleiben konntest. Hattet ihr auch solche Probleme mit Squalls oder seid ihr denen davon gesegelt? 😉 Unser Video erscheint morgen und unser Seetagebuch/Logbuch habe ich gerade auf der Webseite online gestellt. Liebe Grüße von der Manatee

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